4. Oktober 2015 · von Füchtner (ovb)

W.A. Mozart Requiem

Klangmächtige Melancholie

Erst als die letzte Kerze in der Rosenheimer Christkönigkirche angezündet war, begann die Musik. Doch zunächst erklang nicht Mozarts "Requiem", sondern ein feierlicher Marsch, den Henry Purcell für das Begräbnis von Queen Mary komponiert hatte und, nach einem kurzen Orgelvorspiel, das vom Chor mit meditativer Ruhe gesungene Gebet "Mother of God" von John Taverner.
Als Michael Gartner dann die ersten Takte des Introitus von Mozarts Requiem dirigierte, hatten die zahlreichen Zuhörer bereits einen ersten Eindruck von der hohen Klangkultur des Chorkreises St.Quirinus und des "Orchester Classical Barock Salzburg" gewonnen. Die Sänger im Requiem waren Felicitas Fuchs (Sopran), Luitgard Hamberger (Alt), Herbert Gruber (Tenor) und Thomas Hamberger (Bassbariton).
Mozarts "Requiem" ist zwar eine Vertonung des liturgischen Textes, aber trotz der imponierenden Größe der "Dies irae"-Visionen vor allem das Werk eines vielleicht schon von Todesahnungen ergriffenen Menschen. Mozart hat nur etwa zwei Drittel des Werkes geschrieben, sein Schüler Süßmayr komponierte das Sanctus, Benedictus und Agnus Dei neu hinzu und wiederholte am Schluss den Anfangschor.
Von ergreifender Melancholie war das Introitus mit dem klagenden Klang der Bläser. Die düstere Atmosphäre prägten eindringlich und kraftvoll Pauke, Trompeten und Posaunen, während die Streicher des Orchesters eine eher begleitende Funktion hatten.
Hell und strahlend sang Felicitas Fuchs "Te decet hymnus, Deus in Sion", flehend und verzweifelt der Chor die Bitte "Exaudi orationem meam". Nach der mächtig ausgreifenden Fuge des Kyrie erklang mit aufwühlender Wucht der "Zorn Gottes". Wundervoll entwickelte sich aus dem Ruf der Posaune und Thomas Hambergers Bassbariton das Quartett der vier Solostimmen. Erst von Frauen-, dann von Männerstimmen gesungen, intonierte schließlich der ganze Chor die Bitte "Salva me".
Lyrischen Zauber besaß das von den vier Solisten gesungene Gebet "Recordare Jesu pie", das die Streicher in wiegendem Rhythmus sanft und geschmeidig begleiteten. Dirigent Michael Gartner erzeugte mit dem Orchester, das klanglich nie den Chor überdeckte, immer wieder gleichsam hörbare Ruhe. Zum mächtig drohenden "Confutatis maledictis" bildeten die Bitte "Voca me cum benedictis" und das von den Violinen leise begleitete Arioso im "Lacrimosa" einen zu Herzen gehenden musikalischen Kontrast.
Nach dem feierlichen "Offertorium" folgte auf das von Solisten und Chor grandios gesungene "Sanctus" das lyrische "Benedictus" und das "Agnus dei". Als schließlich der Anfangschor aus dem "Introitus" verklungen war, herrschte zunächst absolute Stille, bis schließlich lang anhaltender, begeisterter Beifall einsetzte, für den sich der Chor mit dem seelenvoll gesungenen "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig" von Johann Sebastian Bach bedankte.
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