19. Februar 2016 · von R.Janka (ovb)

Ins LICHT gerückt

Michael Gartner, Leiter des Chorkreises St. Quirinus Rosenheim Fürstätt, wollte einen Abend ganz voller Musik und Licht gestalten unter dem Titel „Ins Licht gerückt“. Aber der Reihe nach: Kerzen schon säumten den Weg zur Kirche.

Das ist ihm und seinen Mitstreitern aufs Wunderbarste geglückt. Architektur sei erstarrte Musik, hat Goethe einmal gesagt. Hier brachten Musik und Licht die Architektur in Bewegung. Der Lichtdesigner Markus Seemeier und der Lichtkünstler Kurt Laurenz Theinert brachten die Kirche zum Glühen, Leuchten und Schwingen. Lichterpracht schuf Schattenspiele. Man saß, hörte, sah und staunte ununterbrochen.

Begonnen wurde mit einem Konzert des Quirinus-Chores. Michael Gartner hatte Chorwerke gewählt, die Licht oder Feuer thematisierten oder in ihrem Klang zu den Lichtspielen passten. Mit einem Kyrie von Palestrina erfühlte der Chor sich den vollgefüllten Kirchenraum, in „Only in Sleep“ von Eriks Ešenvalds (1977 in Lettland geboren) trat Beatrix Schalk, von jungen Sängerinnen begleitet, vorne an die Kommunionbank, das Licht wurde dunkler und hüllte am Ende nur noch sie in eine leuchtende Gloriole, mit der ihr lichtvoller Sopran synästhetisch verschmolz.

Zwischen den Chorstücken schlug Franz Lang am Marimbafon dezent-gefühlvolle Töne, die sich zu Bach-ähnlichen Gebilden formten, während weiße Lichtbänder und Netze und aufgefächerte Linien über die Kirchenwände wanderten.

Aus dem Jahr 2007 stammt die „Sunrise Mass“ des 1978 geborenen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. Sie ist nichts weniger als eine metaphorische Reise vom Sternenhimmel zur Erde, eine Musik voller Transzendenz und Spiritualität. Mystisch glühende Chorklänge vermischen sich in den Sätzen „Identity“ und Ground“, die das Sanctus und Agnus Dei darstellen, mit der zart-warmen Solovioline von Rainer Heilmann, der vom Pult aus sein Orchester „Die Arche“ anführte. Die Töne kamen aus dem Nichts und stiegen ins Licht, das die Kirche anfüllte, blaues und rotes Licht mit Sternenmuster. Am Schluss des Konzertes stand „Sunrise“, das Gloria, das mit schmelzenden Geigenklängen einen Sonnenaufgang malte, in den dann die große Orgel mit einstimmte, während Lichtpfeiler die Wände auf- und abstiegen und sich zu großen Bogen wölbten.

Rhythmisch bewegt, aufwühlend und rhetorisch-eindringlich ist „The Conversion of Soul“ von Z. Randall Stroope (1953 in den USA geboren). Natürlich erhellte ein starker Blitz die ganze Kirche, wenn Gott sich Saul offenbart. Der Quirinus-Chor warf sich mit Kraft und Lust in diese emotionsstarke Motette.

Am zauberhaftesten waren die Motetten „Lux aurumque“ (Goldenes Licht) von Eric Whitacre (1970 in den USA geboren) und schließlich „Stars“ von Eriks Ešenvalds. Zu den leuchtenden Dissonanzen wanderten weiße Netze über die Kirchenwände, die dadurch scheinbar ins Schwingen gerieten, schließlich wurde die gesamte Christkönigkirche zu einem lichtprächtigen Sternenhimmel, während junge Mädchen vorne mit gefüllten Wassergläsern gläserne Klänge in den Chorklang mischten: ein unvergesslicher Moment!

Nach dem Anfangskonzert konnte man stundenlang bis tief in die Nacht viele Angebote wahrnehmen, vom meditativen Tanz, dem „Träumen mit den Beinen“, in der Unterkirche (Jutta Heimrath und Birgit Schmidinger) über Kirchturmbesteigungen, Gesprächsrunden und Kurzfilme bis zur Taizé-Schlussandacht um 23 Uhr. Ein herausragendes künstlerisches Ereignis wäre noch das Konzert für Marimbafon und Streichorchester von Emmanuel Séjourné gewesen, das aber erst um kurz vor 22 Uhr begann.

Davor kam noch moderne Orgelmusik, gespielt von Elmar Ringel, zusammen mit ungeheuer eindrucksvollen Lichtspielen. Reiner Klang und reines Licht fanden zusammen........ Musik für das Auge, Licht für die Ohren.

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