16. November 2014 · von Rainer W.Janka (ovb)

Dark night of the Soul - Herbstkonzert

Wohlklingende Nacht der Seele
Der programmatische Ziel- und auch Schlusspunkt des Konzertes des Chorkreises St. Quirinus in der Pfarrkirche von Haidholzen war "The dark night of a soul" von Ola Gjeilo (geboren 1978) nach einem Gedicht des Mystikers Johannes vom Kreuz: ein poppig-mystisches Chorstück im Breitwand-Format, vom Klavier (Veronika Schlaipfer) mit rhythmisch ostinaten Melodiefiguren vorangetrieben und seelisch himmelwärts gerichtet im überirdisch hohen Sopran von Christine Oswald.
Dieses Schlussstück bildete auch den Titel des Konzerts: Chorsätze von Tod, Auferstehung, Tiefsinn und Besinnung und Umkehr, passend zum Totenmonat November.
Auch der Konzert-Beginn war vom hell-lichten Solo-Sopran markiert in John Rutters "Pie Jesu" aus seinem Requiem, auch dies sehr populär gehaltene sentimentreiche Musik mit trostreichem Gestus.
Das musikalische Zentrum aber war Bach, und das gleich zwei Mal: Vom Streichorchester (Leitung: Rainer Heilmann) mit sanftem Klang eingehüllt sang Thomas Hamberger die Solo-Arie "Schlummert ein, ihr matten Augen" aus der Kantate "Ich habe genug" mit Ausdruck und Würde - ein wunderbare Meditationsmusik.
Und gleich darauf wurde Bach transferiert, gebrochen, verwischt, aber trotzdem zum mystischen Leuchten gebracht in dem Stück mit dem sprechenden Titel "Immortal Bach". Knut Nysted (geboren 1915) hat in diesem Chorstück Bachs Choral "Komm, süßer Tod" in irisierende Cluster aufgelöst, die nach härtester Reibung immer wieder unaufhaltsam in beruhigende Einstimmigkeit mündeten. Obwohl man den Chorsängern die tonlichen Schwierigkeiten ansehen konnte, hielten sie tapfer-unbeirrt die sich schmerzlich reibenden Dissonanzen aus und fanden immer wieder zur harmonischen Erlösung: ein sehr starker Hör-Eindruck und eine große Chorleistung. Bach ist wirklich unsterblich. Der Dirigent Michael Gartner hat da hörbar sehr gute Chorarbeit geleistet, seine immer runden und geschmeidigen Dirigier-Gesten hatten großen Anteil an dem harmonischen Gesamtklang des Konzertes.
Sehr dramatisch bewegt ist Sauls Bekehrung ("The conversion of Saul") des 1953 geborenen Randall Stroope, bis zum krachenden Aufstampfen durch die emotional heftig aufgewühlten Chorsänger, die durcheinander lateinisch und englisch sangen. Sehr wirkungsvoll lösten sie die biblische Dramatik der göttlichen Forderung in die wohlklingende Ruhe nach der Bekehrung auf.
In drei A-cappella-Stücken von Maurice Duruflé (1902 bis 1986) konnte der Quirinus-Chor seine Qualitäten zeigen: unangestrengt-natürliche Tongebung und ein schlanker und wohlabgerundeter Chorklang. Der minderzahlige Tenor versteckte sich etwas in "Ubi caritas", die Frauen erfreuten mit Natürlichkeit in "Tota pulchra es, Maria".
Ein bisschen mehr Textschärfe und eine größere Entschiedenheit der Frauenstimmen hätte dem "Stabat mater" von Joseph Rheinberger gut getan. Trotzdem wurde einem wohlig warm bei dieser melodieseligen und spätromantisch-gefühlvollen Harmonik, gespickt mit schmerzreichen Septakkorden. Bei etwas schnellerem Tempo wäre die pastorale Wiegenbewegung des dritten Teils noch inniger geworden. Doch die Schönheit und ganz persönliche Färbung dieser Passionsmusik schlich sich weich ins Herz der Zuhörer.
Die waren sehr zahlreich erschienen und belohnten dieses sehr harmonische, meditative und musikalisch sehr qualitätsvolle Chorkonzert mit langem herzlichen Applaus.
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