25. April 2015 · von Rainer W.Janka (ovb)

Benefizkonzert

Michael Gartner hatte für sein Benefizkonzert in der Rosenheimer Hedwigskirche zwei gute Ideen: Die erste Idee war die, Mozarts Waisenhausmesse" als Hauptprogrammpunkt zu nehmen. Mozart schrieb sie mit zwölf Jahren zur Einweihung einer Waisenhauskirche in Wien.

Eine Waisenhausmesse für Waisenkinder. Michael Gartner und sein Chorkreis St. Quirinus Fürstätt wollten mit diesem Konzert ein musikalisches Projekt für die Kinder des Kinderheims "Schöne Aussicht" und Flüchtlingskinder unterstützen, einen mehrmonatigem Workshop, bei dem die Kinder musizieren, tanzen und gestalten können. Die zweite gute Idee war, dafür das "Orchester Classical Barock Salzburg" zu gewinnen, das auf alten Instrumenten in historischer Manie spielt.

Gartner lockerte die bloße Messenabfolge auf mit zwei A-cappella-Stücken, mit "Ubi caritas" von Paul Mealor (geboren 1975) und der Osterhymne von Hans Melchior Brugk (1909 bis 1999). Modern volltönend und an der Gregorianik orientiert das eine und herb-feierlich jubelnd das andere. Der Quirinus-Chor zeigte sich hier als stimmlich nicht ganz durchgestaltet, nicht ganz trennscharf und nicht scharf wohlartikulierend, wohl aber als hingebungsvoll engagiert.

Die "Waisenhausmesse", die man im Rosenheimer Raum selten hört, überrascht mit großer Ausdruckstiefe und feierlicher Expressivität, bedingt auch durch die reiche Bläserbesetzung, vor allem mit drei Posaunen. Gerade diese sprangen zu Beginn nicht gleich an, sorgten aber dann für großen musikalischen Farbenreichtum und Ausdrucksgewalt. Sie durften und konnten weinen, flehen, klagesingen und beten, vor allem zu Beginn des "Agnus Dei". Ungewöhnlich ist auch der Trauergesang des "Crucifixus", in dem die seufzenden gestopften Trompeten von der leise markierenden Pauke begleitet werden. Die Streicher unterstützten mit ihrem geschärften Klang in den Akkordeinwürfen die Feierlichkeit dieser Messe.

Michael Gartner hatte moderate Tempi gewählt, so dass man den großen, handwerklich schon genial gehandhabten Formenreichtum des jungen Mozart hören und bewundern konnte. Mit der Verwendung eines Dirigentenstabes hätte er aber dem Chor noch mehr Sicherheit geben und so vielleicht so manche wackelnden Einsätze festigen können. Bestimmt aber setzte er chorische dynamische Akzente, eindrucksvoll in seiner schmerzlichen Gestimmtheit gelang das "Qui tollis" und stark in seiner Dialog-Struktur das "Benedictus".

Die Solisten-Partien haben eine gewichtige Funktion in dieser Messe, was alle Solisten auch schön betonten: Die Männerstimmen (Herbert Gruber, Tenor, und Thomas Hamberger, Bass) sangen in anbetender Bewegung das "Domine Deus", die Frauensolisten (Dagmar Gareis und Luitgard Hamberger) besangen in heiter-innigem Siciliano-Rhythmus das Weihnachtsgeschehen im "Et incarnatus est". Mit einschmeichelndem Tenor bot Herbert Gruber seine Soli, während Dagmar Gareis ihre Koloraturen sanft hintupfte.

Orchester mit preziöserRokokomusik

Das Orchester alleine diente als Chorpause zwischen Credo und Sanctus mit der Kirchensonate KV 336: Überaus spielfreudig präsentierte der Organist an der kleinen Truhenorgel den ganzen Figuren- und Gedankenreichtum dieser preziösen Rokoko-Musik, von den Streichern geschmackvoll phrasierend begleitet.

Gruß- und Dankesworte beschlossen das Konzert, Chorvorstand Herbert Gruber konnte der Projektleiterin einen Scheck mit knapp 6.300 Euro überreichen: Musik diente dem Musikmachen.

Rainer W. Janka, OVB 28.04.2015
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