1. August 2010 · von Robert Engel (ovb)

A.L.Webber Joseph and the amazing technicolor dreamtcoat

Joseph: Martin Markert
Erzählerin: Julia Schmarsel
Pharao: Tobias Heinz
Choreographie: Sabrina Weindl
Regie: Rotraut Arnold
Leitung: Michael Gartner

Musicalensemble des Chorkreises
Kinderchor Fürstätt unter Edith Kaltenbrunner
Jugendorchester DIE ARCHE unter Reiner Heilmann
Bode-Tanzschule München

in weiteren Rollen:
Jakob: Hannes Ginthör
Solo Brüder: Herbert Gruber, Martin Hörberg, Markus Kotschenreuther, Andreas Smettan,
Bäcker und Butler: Klaus Maier, Richard Eschlbeck

Pressestimmen:
Mehr als nur eine Wiederholung

Die Josephsgschichte aus dem Alten Testament ist wohl der bestgeeignete Stoff, um daraus ein Popmusical zu machen. Andrew Lloyd Webber hatte sicher schon in ganz jungen Jahren ein intuitives Gespür für solide musikalische Verarbeitung und Gehalt. So entstanden zwischen 1967 und 1980 zündende, ins Ohr gehende Musik und Songs, welche die Zeiten überdauerten. Und diese Josephsgeschichte behielt auch in modernem Gewand ihren biblischen Ernst bei: Wenn Joseph im Gefängnis sitzt, erwächst aus seinem Lied die Ahnung von der Sendung Israels und seines Gottes, und alttestamentarische Emotionalität wird fühlbar, wenn Joseph seinen Bruder Benjamin am Schluss in die Arme schließt.

Die diesjährige Premiere im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum vor Schülern am Donnerstag und die drei Aufführungen an den Folgetagen sind mehr als nur die Wiederholung der erfolgreichen Aufführung im Vorjahr an gleicher Stelle. Noch virtuoser greifen Musik (Streicher und Band), Gesang (Fürstätter Quirinuschor und Kinderchor), Tanz (Teilnehmer der Münchener Bode-Schule) ineinander, so dass eine alles umfassende Choreografie die Bühne beherrscht.

Viele der Ideen der Inszenierung waren während der Probenarbeit entstanden. Freilich, es bedurfte gewiefter Regie seitens Rotraut Arnold und Sabrina Weindl, um solcher Gemeinschaftsarbeit auch ein Gesicht zu geben - und nicht zuletzt des Dirigats von Michael Gartner, das mit Musik und Rhythmus das Bühnengeschehen in einen Rahmen fasste.

Die elf Brüder Josephs (alles Sänger aus dem Quirinuschor, insbesondere die führenden Rollen des Basses und des Tenors) schauspielerten, revoltierten gegen den Bruder in seinem buntfarbigen Festgewand, schlugen ihn, heulten um ihn, soffen - sie waren der große Gegenpol zum Strahlemann Joseph, der wiederum in der Verführungsszene den Reizen des Potiphar-Weibes gar nicht so abgeneigt schien, wie dies im Alten Testament dargestellt ist. Das gehört nun mal zu einer modernen Bühnendarstellung dazu. Die Tempeldamen des Pharao in archaischer Pose, das Stellungsspiel des Kinderchores, der Tänzer, ja der Darsteller auf der Bühne insgesamt - man muss es erleben!

Eine große Wirkung ging von der Stimme und Erscheinung Martin Markerts in der Rolle des Joseph aus. Dieser Joseph wurde gerade im farbigen Traumgewand oder im ägyptischen Kopfschmuck zur strahlenden Gestalt eines Titelhelden. Eine Überraschung besonderer Art bot Tobias Heinz als Pharao. Sein gekonnt clownartiges Auftreten und sein lasziver Tanz waren dazu angetan, den Respekt, den man sonst auch vor einem Potentaten auf der Bühne haben könnte, sichtlich zu mildern. Doch die größte sängerische Leistung sollte man Julia Smarsel als Erzählerin zuerkennen. Trotz elektronischer Verstärkung merkte man sofort, welche Wandlungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und auch Seele in ihrer Stimme lagen. Rainer Heilmanns Streicher aus dem Orchester der "Arche" fühlten sich hörbar zuhause in der speziellen Klangwelt eines Musicals. Dazu die Band aus Bläsern, Schlagwerk und Keyboard, welche dem Ganzen aus abgeschirmtem Hintergrund des Orchestergrabens die dezent jazzige Note verlieh. Und der Leiter, Michael Gartner? Er hielt in der Aufführung mit fester Hand Musik, Gesang und Bühnengeschehen zusammen, was wohl in dieser Perfektion nur möglich war, weil alle begeistert mitmachten.

Fiel der Vorhang gleich nach dem versöhnlichen Ende? Joseph trat hervor, nahm seine Stimme vornehm zurück und führte die Zuschauer in seinem letzten Song behutsam aus dem Traum zur Wirklichkeit. Der Traum von "Joseph and the amazing technicolor dreamcoat" jedoch wird an diesem Samstag um 20 Uhr und am morgigen Sonntag um 11 Uhr wiederholt! Restkarten gibt es noch an den Abend- und Tageskassen.

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